soziopathen

Ich halte mich selbst für einen eher freundlichen Menschen. Und wenn die normale Freundlichkeit mal nicht möglich ist – und auch diese Fälle gibt es – dann doch für einen Menschen, der zumindest grundlegende Regeln der Höflichkeit beachtet. Von den ganz seltenen Fällen, in denen beides überhaupt nicht möglich ist, möchte ich hier mal nicht reden.

Immer wieder erstaunt bin ich darum über die Menschen, denen das völlig fremd zu sein scheint, Menschen, die an den einem Tag grüßen oder zurück grüßen, wenn du ihnen begegnest, und dann am nächsten Tag so tun, als ob sie dich nicht kennen. Jetzt wieder erlebt in der Form, dass man sich begegnet, ganz wenige Schritte voneinander entfernt steht, alles um einen herum leer ist, man sich praktisch zum gegenseitigen Wahrnehmen genötigt, ja gezwungen sieht – und nichts passiert.

Und das sind dann noch nicht einmal die nicht so seltenen Fälle, wo es ganz offensichtlich ist, was das Antrieb für solche Freundlichkeit ist: etwas zu wollen, zu brauchen und darum über seinen Schatten springt und dabei eine gewisse Form von Freundlichkeit an den Tag zu legen, die einem ansonsten eher fehlt.

Nein, es ist diese ganz normale sich begegnen, sich wahrzunehmen und sich zu ignorieren. Das oftmals selektive, möglicherweise von Stimmungen und Launen geprägte Verhalten, das an dem einen Tag zu einem Hallo und am nächsten zu komplettem Ignorieren führt. Ich nenne ein solches Verhalten soziopathisch – und das führt bei mir zu kurzem Verifizieren und dann zu langem Ignorieren. Und das mag dann bei manchen Soziopathen den Eindruck erwecken, als wäre ich einer von ihnen, denn solchen Menschen kann ich im Aufzug oder auch aufeinander zugehend in einem schmalen Korridor begegnen – und sie vollständig ignorieren. Und eine leise Hoffnung zu hegen, dass dieses Verhalten eine gewisse Irritation zurücklässt.

verrückt?

Ich habe zuletzt seit langer Zeit – viel zu langer Zeit – mal wieder die Klaviersonate E-Dur op. 109 von Beethoven gehört. Gespielt von Friedrich Gulda. Gehört in dem Sinn, dass ich mich hinsetzte um diese Musik zu hören, das Hören zelebrierte und ich mich völlig und nur auf das Hören konzentrierte. Die Faszination, die von diesem Werk einmal für mich ausging lebte sofort wieder auf und hält sich, zu meinem Erstaunen und meiner Freude, ungebrochen durch. Und unmittelbar nach dem Hören kam mir wieder die Bemerkung eines befreundeten Kollegen in den Sinn, der seine wiedergefundene Vorliebe für Bach mit dem Satz kommentierte: „Ich glaube, ich werde verrückt, ich höre in den letzten Tagen nur noch Bach“.

Ist man wirklich verrückt oder droht, es zu werden, weil man auf einmal wieder anfängt, Bach – oder wie in meinem Fall, Beethoven – zu hören. Oder klassische Musik überhaupt? Ich stelle die Frage mal anders: bin ich verrückt, weil ich wieder zurück finde zu den Klaviersonaten Beethovens – und besonders zu den späten und von denen besonders zu der Sonate Opus 109? Ich hatte genau die einstmals, noch zu Vinyl-Zeiten, von mindestens zwei Dutzend Pianisten bei mir rumstehen und obgleich sie alle das vermeintlich selbe spielten, spielte doch jeder sie anders: anders in Tempo, in Lautstärke, in Intonation… Ich hatte seinerzeit an genau diesem Werk die fast unendliche Offenheit für Interpretation entdeckt, die Vielfalt des Möglichen an dem nur scheinbar selben.

Oder auch die Goldberg Variationen von Bach. Eingespielt von Glen Gould. Und mehr noch als die erste, fast berüchtigte, ja fast revolutionäre Einspielung des jungen Glen Gould mochte und mag ich, auch nach Wiederhören bestätigt, die spätere Einspielung des älteren Gould von 1981, der auf der Aufnahme nicht nur zu hören ist am Klavier, sondern auch mit seinem hemmungslosen Mit-Summen und -Brummen. Eine Aufnahme, die mir vieles nahegebracht hat von der thematischen Strenge der Musik Bachs.

Oder Franz Schuberts Streichquartett Der Tod und das Mädchen, auf das ich irgendwann mal gestoßen bin als Thema zu einem Film. Und dessen 2. Satz mich nie mehr losgelassen hat.

Nein, ich bin nicht verrückt deswegen: ich denke, dass ich diesen Werken einfach – und endlich nach zu langer Zeit der Vernachlässigung – wieder die Aufmerksamkeit zukommen lasse, die sie verdient haben: ihrer Qualität wegen verdient haben.

gesprächsfetzen

In der Bahn kann man ja so manches Gespräch mithören. Also, man muss gar nicht besonders hinhören – man kann sich dem einfach oft genug gar nicht entziehen. So geschehen mal wieder vorgestern, während ich zur Arbeit fuhr. Zwei Mädchen, irgendwo etwa zwischen dreizehn und fünfzehn, auf dem Weg zur Schule, setzen sich mir gegenüber. Beide ein Smartphone in der Hand. Nach kurzem Blick auf die Displays, welcher Neuerwerb jetzt cool wäre zu hören, wurden die zwei Stöpsel des einen Ohrhörers auf je ein Ohr der beiden jungen Damen verteilt und gemeinsam wurde dann wohl einer der gerade aktuellen Hits gehört. Aber nicht wirklich zugehört. Sondern die unterhielten sich dabei einfach weiter. Und wie das so ist mit Ohrhörern aus denen Musik kommt und Mündern, aus denen weiterhin Sprache sprudelt, wurde die Sprache immer lauter und der weitere Umkreis der Bahn durfte sich passiv an dem Gespräch beteiligen. So erfuhr ich dann nicht nur, welche von den beiden welche Aufgaben nicht gemacht hatte, welcher ihrer Lehrer echt kraß sei, welcher der Mitschüler voll geil aussehe und einiges mehr…

Ein wenig zusammenzucken mußte ich allerdings, als dann der folgende Satz fiel:

Mensch, meine Eltern sind echt schräg drauf. Haben die doch vorgeschlagen, ich soll in der Woche einen ganzen Tag mit der Familie verbringen. Einen ganzen Tag mit denen zusammen. Kraß. Und die lachten auch noch dabei und freuten sich. Nee, halte ich nicht aus. Wenn ich mit denen unterwegs bin, dann tue ich immer so, als ob ich die nicht kenne. Und jetzt einen ganzen Tag mit denen zusammen. Wirklich kraß.

Was dann der anderen nur den Kommentar entlockte: Unglaublich.

kennen wir doch

1975 veröffentlichte der französische Philosoph Michel Foucault sein Buch Surveiller et punir, das ein Jahr später auf Deutsch unter dem Titel Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses veröffentlicht wurde. Ich hab das Buch irgenwann gegen Ende der siebziger Jahre gelesen – und bei aller manchmal sehr subjektiven Sicht Foucaults schien mir damals, wie im übrigen heute immer noch, die zentrale Idee einleuchtend und machte einiges an modernen gesellschaftlichen Strukturen sichtbar und erklärbar. In der weiteren Rezeptionsgeschichte des Buches wurde dann vor allem ein Aspekt wichtig, der den Inhalt ablöst von einer nur auf die Geschichte der modernen Strafsysteme in Europa gerichteten Untersuchung:

„Wichtig wurde in der laufenden Rezeption die Feststellung, dass es sich bei den Überwachungspraktiken nicht um aus der Gesellschaft ausgelagerte Prozesse handelt, sondern sie sich auch in den neu entstehenden Fabriken, Schulen und anderen Institutionen nachweisen lassen. Letztlich sind die konstituierten Subjekte gerade für die sich neu formierende Gesellschaft geeignet.“

Foucault hat das exemplarisch an der Idee des Panoptikums des englischen Philosophen Jeremy Bentham dargelegt:

„Das Panoptikum des englischen Philosophen Jeremy Bentham deutete Foucault als eine Architektur, mit der sich die Grundlagen der aktuellen Gesellschaftsformation beschreiben lassen. Es handelt sich dabei um den Vorschlag eines perfekten Gefängnisses: In dessen Mitte steht ein Turm, aus dem heraus Wächter die rundherum angeordneten, offenen Gefängniszellen einsehen können. Damit werden die Gefangenen unter die permanente potenzielle Kontrolle eines allumfassenden Blickes gestellt. Jederzeit könnten sie beobachtet und für als falsch gewertete Handlungen bestraft werden. Das führt bei ihnen zu einer neuen Konzeption von Verhalten, die gerade diesen potenziellen Blick der Überwacher einbezieht.“

Warum mir das gerade jetzt in den Sinn kommt? Na klar – PRISM. Weil ich mich wundere über die Naivität einiger Leute, die annahmen und noch weiter annehmen, dass das Internet ein überwachungsfreier Raum war oder durch politische Kontrollen wieder werden könnte. PRISM macht deutlich, dass jetzt auch das freie Internet unter die permanente potenzielle Kontrolle eines allumfassenden Blickes gestellt wurde. Wobei gerade das potenzielle daran das ganz entscheidende Moment ist: Kein Geheimdienst der Welt kann heute den ganzen Internettraffic mitschneiden, auf Vorrat speichern und auswerten (auch die Vorstellung ist naiv) – aber kein Einzelner kann eben sicher sein, dass nicht gerade er selbst aktuelles Objekt des Interesses ist. Eines gezielten Interesses – was dann wiederum funktioniert und nicht mal mehr SSL gesicherte Verbindungen sicher sind. Und paradox genug: jetzt, da geleakt und gewusst, funktioniert das Prinzip sogar noch besser. Weil jetzt eben gewußt wird, dass Jede und Jeder Objekt der Überwachung werden kann. Gewußt von allen.

Das einzig Gute daran ist wahrscheinlich, dass sich für gesellschaftliche Strukturen, die sich in solchen Maßnahmen manifestieren, wieder ein gesteigertes Interesse und eine zunehmende Sensibilität entwickelt. Nicht umsonst steigen die Verkaufszahlen von George Orwells negativer Utopie 1984 zur Zeit wieder stark an.

zerstört

Das Internet ist nach PRISM noch dasselbe, das es vorher war. Endgültig zerstört aber ist die Illusion seiner Freiheit. Unumkehrbar. Unrettbar. Und ohne wirkliches Erstaunen merke ich, wie wenig mich das überrascht. Fast naiv kommt mir die Annahme vor, das es genau diese Überwachung nicht geben sollte. Wo Wissen über Alles und Jeden gesammelt wird, da werden Freiräume nicht geduldet. Macht will und muss wissen um sich selbst zu erhalten. Das Internet ist eingeholt worden von der Realität.

…dann macht man sich welche

Hat man keine Arbeit, dann macht man sich welche. Seit langer Zeit bin ich auf der Suche, nach einem schönen (ja, schön im Hinblick auf Design, Farbe und Typographie) und minimalistischem Design für mein unter WordPress laufendes Blog. Und beides ist mir wirklich wichtig. Ich kenne zuviel Webseiten und Blogs, die so aussehen, dass ich am liebsten direkt wieder gehen würde – was ich dann oft genug auch mache. Also: auch der erste visuelle Eindruck ist wichtig. Dazu kommt, dass in Zeiten zunehmenden mobilen Zugriffs, das Ganze auch noch im Browser auf dem Smartphone oder dem Tablet gut aussehen und gut lesbar sein soll.

Nicht, dass es da gar nichts gäbe. Zur Zeit läuft mein Blog mit einem gekauften Theme, das mir fast schon das liefert, was ich erwarte.

Das aktuelle Design...

Aber eben nur fast. An dem aktuellen Theme und Design – sehr gut geeignet für mobile Devices – stört mich vor allem, dass selbst in einem Browser Fenster mit ausreichend Platz, der Titel oben im mobilen Design erscheint, mit zwar sichtbarer linker Sidebar aber verborgener rechter Sidebar, wobei dann auch der Untertitel der Seite verloren geht. Ein zweites gekauftes Theme zeigt dieses Manko zwar nicht, da die Sidebar immer verborgen sind und erst per Klick oder Wischgeste eingeblendet werden – dann aber über zwei Drittel des gesamten Fensters hinweg. Was einfach blöd aussieht.

Also weitersuchen? Ich habe mir die Frage mit einem klaren Nein beantwortet. Ich werde mir ein eigenes Theme entwickeln und fange damit zur Zeit an mit der sehr intensiven Bearbeitung des unter GPL veröffentlichten Cleanr Theme. Und obgleich ich ja nicht wirklich ein Experte in Sachen Webdesign und Theme Entwicklung bin, geht das Ganze wirklich gut voran…

Mein eigenes abgeleitetes Theme...

Ja, das geht also ganz gut voran. Und macht, obgleich nicht so ganz wenig Einarbeitung und Arbeit, ziemlich viel Spass. Und bislang überzeugt mich das Resultat im Hinblick auf minimalistischen Ansatz, Design und Lesbarkeit. Also mach ich mir die Arbeit…

vorbei

Kreta Urlaub in Bildern auf Flickr...

Jetzt ist er also wieder vorbei, der Urlaub. Eigentlich ja schon seit einer Woche, denn die erste Woche Arbeit nach dem Urlaub liegt jetzt schon wieder hinter mir. Oder auch anders gesagt: vom Urlaub bleibt so langsam nur übrig die Reminiszenz an zwei sehr entspannte, schöne Wochen auf Kreta. Und eine ganze Menge von Fotos. Ein paar davon hab ich nach Flickr hochgeladen – und versucht, ein wenig von der Schönheit und der Entspanntheit dieser Zeit als und im Bild festzuhalten.

entsorgung

Ich entsorge zur Zeit den Müll der letzten Jahre: Accounts bei diversen Services, die ich mal ausprobiert habe. Was da so alles zusammenkommt. Der reine Wahnsinn – und jede Menge Arbeit.

Allein den ganzen Schrott an Mail Accounts loszuwerden, die ich mir für was weiß ich für Zwecke angelegt habe. Meine Internetvergangenheit Version 1 verschwindet so langsam, verbunden mit dem festen Vorsatz, einen solchen Wildwuchs nicht mehr zuzulassen.

Ziel ist die Minimalisierung von Accounts auf ein Minimum – und damit deutlich mehr Kontrolle über meine bislang weit verstreuten Daten. Natürlich hat das was mit PRISM zu tun – obwohl ich ebenso natürlich auch weiß, dass das daran nichts ändert und dass ich diesen Mechanismen dadurch nicht entkommen kann. Aber die Bösen Buben sitzen eben nicht nur bei der NSA oder dergleichen Organisationen – und mehr Kontrolle über die eigenen Daten ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Also: das allermeiste davon wird restlos entsorgt. Besser, wenn ich das noch einigermaßen überblicken kann. Bevor ich irgendwann den Überblick verliere.

und wieder ein umzug

Ich werde diesen Blog umziehen. Mal wieder. Aber ich bin einiger Unzulänglichkeiten und Einschränkungen meines bisherigen Providers überdrüssig. Eine davon: die verfügbare Software. Will ich in der Zukunft meinen Blog auf Ghost umstellen, dann muss ich halt serverseitiges Javascript in Form von node.js zur Verfügung haben…

Ich habe jetzt eine ganze Weile nach einem potentiellen Hoster gesucht – und meine Wahl ist jetzt Uberspace. Ein kleiner Wermutstropfen: FreeBSD geht nicht, aber CentOS 6 ist auch nicht so schlecht. Und bis Ghost verfügbar sein wird, geht halt auch WordPress.

Auf jeden Fall habe ich heute alles eingeleitet. Und ich bin gespannt, was sich da an Problemen auftun wird – oder halt auch nicht. Auf jeden Fall ist Uberspace ein interessantes Hosting Projekt.

na dann mal wieder…

Mein Urlaub geht so langsam – na, eigentlich ja viel zu schnell – seinem Ende entgegen. Und somit werde ich jetzt wieder meine Blog Aktivitäten aufnehmen. Etwas Abstand war aber auch gut und notwendig. Nachdenken über Sinn und Zweck läßt sich ja meistens besser mit etwas Distanz erledigen. Dazu auch noch andere Ereignisse und Vorkommnisse der letzten Wochen, die einen ja mit der Nase auf das Thema des eigenen Umgangs mit dem Wo und Wie des Veröffentlichens von eigenen Texten, Textschnippseln und Bildern stoßen. Weiterhin auch die eigene Erfahrung von einem Überdruss, den ich mit vielen anderen teile und der sich gegen das »sinnfreie Durchscrollen von Timelines« in diversen sozialen Netzwerken kehrt…

Deutlich mehr Konzentration auf meine Blogs ist angesagt – und ob dabei Google+ und Facebook auf der Strecke bleiben ist noch nicht ausgemacht – aber eben auch nicht ganz unwahrscheinlich. Twitter wird – auch wenn zugegebenermaßen etwas inkonsequent – bleiben und was aus App.net wird, das wird man sehen.

Also da geht mir zur Zeit ganz viel durch den Kopf – und einiges davon wird sich hier wiederfinden. Und somit: auf geht's wieder…